24.01.2022

Nachhaltig, wiederaufladbar, selbstheilend und innovativ

Reifenkonzepte der Zukunft kurz vorgestellt
Zukunftsreifen
Quelle: Michelin

360-Grad-Reifen oder doch lieber Modelle aus Löwenzahn? Auch die Reifenbranche entwickelt sich in Richtung Elektromobilität und Nachhaltigkeit. Smart sind Pneus teilweise heute schon, aber die Zukunft soll noch intelligenter, noch flexibler und vor allem nachhaltiger werden. Die großen Hersteller machen es vor. Mit neuen Technologien, Materialien und innovativen Ideen startet die Branche in die Zukunft. Wir stellen dir vier solcher Innovationen kurz vor.

Leicht und selbstheilend: Bridgestone

Je leichter ein Elektrofahrzeug, desto größer darf der Akku sein. Und wo spart man besser Gewicht ein als am Autoreifen? Das dachte sich auch Bridgestone mit einer neuen, patentierten Gummimischung, die Reifen etwa zehn Prozent leichter macht und den Rollwiderstand verringert – was sich positiv auf die Reichweite von E-Autos auswirkt. Das ist aber noch längst nicht alles. Pneus von Bridgestone sind mit der „B-Seal“-Technologie ausgestattet: Durch eine klebrige Schicht aus Dichtmittel werden Schäden von bis zu fünf Millimetern Tiefe ausgeglichen und die beschädigte Stelle versiegelt.

Bridgestone B-Seal-Technologie
Quelle: Bridgestone

Umweltfreundlich ohne Luft: Michelin

Luftlos, „wiederaufladbar“, verbunden und nachhaltig – damit wirbt Michelin für „The VISION Concept“, einen Reifen der ganz ohne Luftdruck auskommt und zum ersten Mal 2017 enthüllt wurde. Im Inneren des Reifens befindet sich eine wabenartige Struktur, die mit 3D-Druck erstellt wird. Schwächelt der Reifen, kann die Struktur mit dem 3D-Drucker wieder aufgebaut werden. Zahlreiche Sensoren verbinden sich mit der jeweiligen Technologie des Fahrzeugs für ein personalisiertes Fahrerlebnis. Dank der Verwendung von 3D-Druck wird bereits Material eingespart. Bei den restlichen Materialien handelt es sich um nachhaltige Recyclingmaterialien.

Michelin Vision Concept
Quelle: Michelin

Löwenzahn statt Naturkautschuk: Continental

In Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Ökologie in Münster und anderen Partnern forscht Continental bereits seit vielen Jahren bezüglich nachhaltiger Reifen, denn ausrangierte Pneus sind nicht umweltfreundlich. Nur ein Bruchteil der Altreifen kann wiederverwendet werden. Hinzu kommt, dass die Naturkautschuk-Ressourcen knapp werden. 75 Prozent des Stoffes werden in der Reifenindustrie verwendet. Die Lösung: Löwenzahn. Aus der Pflanze, die auch auf kargem Land gerne blüht, kann Latex gewonnen werden. Bislang reicht die Menge an Löwenzahn allerdings noch nicht aus. Synthesekautschuk soll Naturkautschuk ablösen. Erste Testversuche und Prototypen zeigten einen verbesserten Rollwiderstand sowie weniger Abrieb im Vergleich zum Naturkautschuk.

Continental Löwenzahn Reifen
Quelle: Continental

Autonom in Kugelform: Goodyear

Vorwärts, rückwärts, seitwärts, diagonal – der Kugelreifen „Eagle 360 Urban“ von Goodyear gibt autonomen Fahrzeugen eine neue Flexibilität. Ohne mechanische Verbindung zum Fahrzeug und stattdessen mit Magnetschwebetechnik soll der Reifen sich flexibel durch den Verkehr bewegen können. Wie auch der luftlose Reifen von Michelin entsteht das Reifenprofil per 3D-Druck und imitiert zudem die Struktur der menschlichen Haut, um sich an Fahrbahn- und Witterungsbedingungen anzupassen. Durch künstliche Intelligenz optimiert sich der Pneu ständig und lokalisiert und „heilt“ Schäden, sammelt Daten anderer Fahrzeuge und verändert das Profil entsprechend.

Die Zukunft wird nachhaltig und kugelrund!

Googyear Eagle 360 Urban
Quelle: Goodyear